Hauptnährstoffe
Eiweiß
Eiweiß ist notwendig für den Körperaufbau und in großen Mengen in fast allen tierischen Lebensmitteln
und vielen pflanzlichen Lebensmitteln, besonders in Bohnen und Samen enthalten.
Im Gegensatz zu manchen Ländern der Dritten Welt kann es deshalb bei uns, mit dem hohen Verzehr
an Fleisch, Milch und Eiern, kaum zu einer Unterversorgung an Eiweiß kommen. Empfohlen werden,
in Abhängigkeit von Alter und Geschlecht 0,8 - 1,2 g Eiweiß pro kg Körpergewicht.
Im Durchschnitt wird in den Industrieländern das Zwei- bis Dreifache der empfohlenen Menge an Eiweiß
verzehrt, was sicher nicht notwendig ist. Da überschüssig aufgenommenes Eiweiß verstoffwechselt wird,
hat es allerdings auch keine direkten negativen Wirkungen
(bei Ausschluss von Menschen mit Nierenerkrankungen).
Ob eine permanent hohe Zufuhr langfristig aber doch negativ wirkt kann nicht ausgeschlossen werden.
Ein Beispiel dafür ist die Toxizität von Aflatoxinen die bei proteinreicher Ernährung stärker ist als bei
proteinarmer Ernährung. Durch eine optimale Zusammenstellung pflanzlicher Eiweißträger
(z.B. Bohnen und Getreide) oder Verwendung hochwertiger pflanzlicher Eiweiße (z.B. Sojabohne)
ist es auch ohne tierisches Eiweiß möglich eine gute Eiweißversorgung zu erreichen.
Zu einem ernährungsbedingten Eiweißmangel kann es nur dann kommen, wenn vorwiegend Lebensmittel
verzehrt werden, die einen geringen Eiweißgehalt besitzen und der Körper dieses Eiweiß aufgrund von
Infektionskrankheiten nur schlecht verwerten kann. Dies kann z.B. auftreten bei einer unausgewogenen
rein vegetarischen Ernährung oder der zu frühen Entwöhnung von der Muttermilch in armen Ländern
ohne hochwertige Ersatznahrung.
Fett
Fett ist im Gegensatz zum Eiweiß vorwiegend Energielieferant, Träger von fettlöslichen Vitaminen
und Zufuhrquelle der essentiellen (lebensnotwendigen) mehrfach ungesättigten Fettsäuren.
Dass Öle, Ölsamen, Streichfette, Sahne und fettes Fleisch viel Fett enthalten, ist direkt erkennbar,
während der Fettgehalt anderer Lebensmittel, wie z.B. Wurst oder Süßigkeiten, meist unterschätzt wird.
Bedeutung hat dies deshalb, weil ein hoher Fettverzehr, insbesondere an tierischen Fetten, wie er in
den Industrieländern durchweg zu finden ist, mit erhöhten Blutfettwerten und damit vor allem einem erhöhten
Arterioskleroserisiko einhergeht. Außerdem ist die Zufuhr an notwendigen Ballaststoffen,
Vitaminen und Mineralstoffen zwangsläufig reduziert. Die tägliche Aufnahme an Fetten sollte deshalb nicht
mehr als 30% der Gesamtenergiezufuhr ausmachen.
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren kommen vor allem in pflanzlichen Ölen vor, die nicht gehärtet wurden.
Eine Unterversorgung ist aber kaum zu befürchten, da pflanzliche Öle in vielen Lebensmitteln enthalten
sind und auch nach dem Härten noch genügend essentielle Fettsäuren vorhanden sind.
Bei der Fetthärtung entstehen allerdings Trans-Fettsäuren (mit neueren Verfahren weniger),
die den Stoffwechsel negativ beeinflussen können.
Zu nennen sind hier vor allem bestimmte Margarinesorten die außerdem noch einem hohen Anteil
an Rindertalg enthalten können und häufig zur Herstellung von Backwaren verwendet werden
(Croissants, Blätterteig,...). Letztendlich ist es nicht erforderlich,
zusätzlich mehrfach ungesättigte Fettsäuren aufzunehmen, da diese zu einer höheren Bildung toxischer
Sauerstoffverbindungen im Körper führen können. Erklärbar wäre damit, wieso in Tierversuchen häufig
bei einer Kost, die reich an ungesättigten Fettsäuren ist, eine höhere Tumorrate gefunden werden kann.
Ungesättigte Fettsäuren sind auch hitzeempfindlich, da bei zu starker Erhitzung Produkte entstehen können,
die gesundheitsschädlich wirken. Daher sollten Öle, die reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren sind,
nicht zum Braten oder Frittieren benutzt werden, sondern nur zum Dünsten oder zum
Anmachen von Salate und Gemüse.
Ein interessantes Forschungsgebiet sind die Omega-3-Fettsäuren, die besonders in fettreichen
Meeresfischen wie z.B. Makrelen oder Heringen vorkommen. Interessant ist, dass diese Fettsäuren
die Blutgerinnungszeit verlängern und bestimmte Blutfettwerte senken. Sie könnten dadurch positive
Wirkung bei Thrombosen und Herzinfarkten haben. Erklärbar wäre damit die niedrige Rate an Herzinfarkten
bei Eskimos, obwohl diese sehr viel Fett zu sich nehmen. Dagegen wird bei dieser Bevölkerungsgruppe
durch die verringerte Blutgerinnung eine höhere Rate an Hirnblutungen beobachtet. Omega-3-Fettsäuren
könnten auch einen positiven Einfluss auf den Blutdruck haben und entzündungshemmend wirken.
Der Ersatz von Fleischmahlzeiten durch den Verzehr von Fisch ist deshalb durchaus sinnvoll,
obwohl auch ohne Fischkonsum keine Mangelerscheinungen zu befürchten sind, da in einigen
Pflanzenölen (Lein, Soyaöl) relativ viel alpha-Linolensäure enthalten ist, die im Körper in die wirksamen
Omega-3-Fettsäuren umgewandelt werden können. Weil omega 3 Fettsäuren aus Meeresalgen stammen,
ist die verfügbare Menge in Form von Meeresfisch außerdem relativ begrenzt. Zudem enthält Zuchtfisch,
der mit Fischfutter gefüttert wurde, deutlich geringere Mengen dieser Fettsäuren.
Die Folgerung, die hinsichtlich der Zufuhr an ungesättigten Fettsäuren gezogen werden kann ist die,
dass nicht so sehr die Zufuhr bestimmter Fettsäuren von Bedeutung ist, sondern eher das Verhältnis
der einzelnen ungesättigten Fettsäuren zueinander bei einer insgesamt nicht zu hohen Fettzufuhr.
Empfohlen wird jeweils ein Drittel gesättigte, einfach ungesättigte und mehrfach ungesättigte Fettsäuren
zuzuführen. Als Mindestmengen für omega 6 Fettsäuren gelten 5 g und für omega 3 Fettsäuren 1 g
wobei eine Mehrzufuhr vor allem der omega 3 Fettsäuren positive Wirkung haben kann solange
es nicht zu excessiv ist.
Kohlenhydrate
Kohlenhydrate, sind wie die Fette, Energielieferanten und als Zucker
und Stärke in den Lebensmitteln enthalten.
Aus physiologischer Sicht können Kohlenhydrate in schnell und langsam
resorbierbare unterschieden werden.
Zu den besonders schnell resorbierbaren Kohlenhydraten gehören Einfachzucker, die in Süßigkeiten
und Haushaltszucker vorkommen, während Kohlenhydrate aus Vollkorngetreideprodukte und Hülsenfrüchte
langsamer aufgenommen werden. Die tägliche Aufnahme an Kohlenhydraten sollte 45 - 55%
der Gesamtenergiezufuhr betragen und überwiegend aus komplexen Kohlenhydraten bestehen.
Schnell resorbierbare Kohlenhydrate führen zu einer raschen Blutzuckersteigerung, die von einer
starken Ausschüttung von Insulin gefolgt ist, da Insulin für die Verwertung des Blutzuckers notwendig ist.
Von Bedeutung ist dies deshalb, weil es gute Hinweise gibt, dass hohe Insulinspiegel langfristig d
ie Arteriosklerose fördern. Außerdem kann bei einer zu starken Ausschüttung von Insulin der
anschließende Abfall des Blutzuckers unter Normalwerte zu Unwohlsein und Hungergefühlen führen.
Daneben erhöht Insulin die Menge an Serotonin im Gehirn welches schlaffördernd und antidepressiv wirkt.
Eine Sucht nach Süßigkeiten könnte deshalb z.T. durch solche
biochemischen Mechanismen erklärt werden.
Langsam resorbierbare Kohlenhydrate haben den Vorteil, dass sie die momentane Insulinausschüttung
nicht so stark anregen und i.d.R. mehr Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe enthalten.
Außerdem ist das Kariesrisiko komplexer Kohlenhydrate meist geringer.
Ballaststoffe
Ballaststoffe sind Bestandteile der Lebensmitteln, die vom Menschen im Dünndarm nicht abgebaut
und aufgenommen werden können. Sind sie auch im Dickdarm nicht abbaubar, werden sie ausgeschieden.
Enthalten sind Ballaststoffe fast ausschließlich in pflanzlichen Lebensmitteln, und hier vor allem in den
Randschichten von Getreide. Deshalb tragen Vollkorngetreideprodukte, neben Gemüse und Obst,
am stärksten zur Ballaststoffversorgung bei.
Empfohlen wird eine tägliche Aufnahme von 30 g Ballaststoffen.
Positiven Effekt haben Ballaststoffe dadurch, dass sie Wasser binden, auf diese Weise zur Füllung
des Dickdarms beitragen und dadurch seine Tätigkeit anregen. Ballaststoffmangel ist deshalb die
häufigste Ursache für Verstopfung. Daneben gibt es Hinweise, dass Ballaststoffe den Cholesterinspiegel
senken, die Entstehung eines Kolonkarzinoms hemmen und einen positiven Einfluss auf die
Höhe des Blutzuckerspiegels haben.
Durch Ballaststoffe wird zwar die Resorption von Mineralstoffen verringert, allerdings enthalten
ballaststoffreiche Vollkornprodukte im Durchschnitt 4 Mal mehr Mineralstoffe als stark ausgemahlene Mehle.
Die Versorgung ist deshalb immer noch besser vor allem wenn wie beim Sauerteigbrot ein Teil
der Phytinsäure abgebaut wird die hauptsächlich für die Mineralstoffbindung verantwortlich ist.
Dagegen kann die Zufuhr isolierter Ballaststoffe wie Weizenkleie zu einer Verschlechterung
der Mineralstoffversorgung führen.
Abhängig von der Bakterienflora im Darm und vor allem der Art und der Menge der aufgenommenen
Ballaststoffe, ist durch den bakteriellen Abbau der Ballaststoffe im Dickdarm eine vermehrte Gasbildung
möglich, welche zu Blähungen und Unwohlsein führen kann. Aus Erfahrung ist bekannt, dass vor allem
die Kombination von einfachen Zuckern oder süßen Getränken bzw. Obst mit Ballaststoffen
Unverträglichkeiten erzeugt. Eine Umstellung auf eine ballaststoffreiche Ernährung sollte schrittweise
geschehen bzw. an die individuelle Verträglichkeit angepasst werden.
Cholesterin
Für den Körper ist Cholesterin lebensnotwendig, in zu hoher Konzentration im Blut spielt es aber eine
wichtige Rolle bei der Entwicklung der Arteriosklerose und damit Herz-Kreislauferkrankungen.
Werte über 200 mg/dl gelten als kritisch, es gibt aber keine eindeutige Grenze.
Bestimmte Naturvölker haben z.B. Cholesterinspiegel um 120 mg/dl die bei uns als pathologisch
niedrig angesehen werden.
Da jedes Medikament zur Cholesterinsenkung Nebenwirkungen aufweist, ist es sinnvoll einen
hohen Cholesterinspiegel soweit als möglich diätetisch zu behandeln.
Die Zufuhr an Cholesterin ist dabei nur ein Faktor unter mehreren (sie sollte nicht über 300 mg/Tag liegen).
Von größerer Bedeutung ist es Übergewicht durch eine Reduktionskost zu verringern,
die Fettzufuhr auf 30 % zu begrenzen und gesättigte Fettsäuren durch ungesättigte Fettsäuren zu ersetzen.
Einfach ungesättigte Fettsäuren wie sie z.B. in Oliven oder Rapsöl enthalten sind wirken dabei
genauso effektiv als mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Omega 3 Fettsäuren die in Fischen
wie Hering, Lachs oder Makrele enthalten sind haben einen speziell cholesterinsenkenden Effekt.
Günstig ist auch eine hohe Zufuhr an Ballaststoffen, wobei Ballaststoffe aus Hülsenfrüchten
und Hafer die beste Wirkung gezeigt haben. Bei diesen Ballaststoffen ist allerdings auch mit Blähungen
als Nebenwirkung zu rechnen.
Purine/Harnsäure
Beim Abbau der Purine entsteht Harnsäure, die bei manchen Menschen, vor allem Männern
bei entsprechender genetischer Veranlagung, nicht in ausreichender Menge im Harn ausgeschieden
werden kann. Folge ist ein erhöhter Harnsäurespiegel im Blut, der in Gelenken zu Ablagerungen
von Harnsäurekristallen führt (=> Gicht). Als Folge der Gicht kann es auch zu Störungen der
Nierenfunktion sowie Nierensteinen kommen.
Da es leichter ist, die aus Purinen gebildete Harnsäure zu bestimmen, wird in Lebensmitteltabellen häufig
statt der Purine meist nur die gebildete Harnsäure angegeben, obwohl diese in Lebensmitteln
praktisch nicht vorkommt. Zum Teil wird noch Purin N angegeben, wobei zur Umrechnung gilt,
dass 1 mg Purin N 2,4 mg Harnsäureäquivalenten entspricht.
Purine werden etwa zur Hälfte mit der Nahrung zugeführt und zur anderen Hälfte im Körper selbst gebildet.
Dass die Ernährung bei der Entstehung der Gicht eine bedeutende Rolle spielt, zeigt sich darin, d
ass in Mangelzeiten, wie z.B. nach Kriegen, die Gichthäufigkeit stark abnimmt und früher fast nur in höheren
gesellschaftlichen Schichten vorkam.
Die Gicht kann zwar relativ einfach medikamentös behandelt werden, sinnvoller ist es jedoch z
uerst diätetische Maßnahmen durchzuführen, da Gicht häufig mit anderen Zivilisationskrankheiten
einhergeht, die bei einem medikamentösen Erfolg der Gichtbehandlung trotzdem bestehen bleiben.
Zur diätetischen Behandlung der Gicht sollte primär ein bestehendes Übergewicht durch eine
Reduktionskost abgebaut werden. Außerdem sollte auf die Zufuhr purinreicher Lebensmittel
(Innereien und bestimmte Fischarten wie Ölsardinen, Sardellen und Hering) verzichtet und die
Fleischzufuhr auf 150 g/Tag beschränkt werden. Es wird dabei unterschieden zwischen
”streng purinarmen” (< 150 mg Harnsäure/Tag) und ”purinarmen”
(< 300 mg Harnsäure/Tag oder < 2000 mg/Woche) Diäten. Erstere sind mehr für akute
Gichtanfälle gedacht, da sie langfristig kaum einzuhalten sind. Außerdem sollte die Ernährung
den allgemeinen Regeln entsprechen, da das relativ purinreiche Vollkornbrot sicher nicht die Ursache
einer Gicht ist. Gleiches gilt für die sehr purinreichen Hülsenfrüchte, wobei hier ein Verzicht relativ
einfach ist und sicher nicht zu Ernährungsmängeln führt. Praktisch purinfrei sind dagegen Milch und Eier.
Für die Auslösung eines Gichtanfalls sind in erster Linie eine hohe Fett- und Alkoholzufuhr verantwortlich,
die häufig durch eine medikamentöse Behandlung nicht aufgefangen werden kann.
Auch durch totales Fasten kann der Harnsäurespiegel deutlich ansteigen und einen Gichtanfall auslösen.
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