Die Olive
Es wäre schwer, eine Pflanze von größerer kulturhistorischer Bedeutung für den Mittelmeerraum
als die Olive zu nennen: Ägypter, Phönizier, Griechen und Römer kannten und schätzten ihr Öl.
Der Ölbaum tritt in den Homerischen Epen auf und wurde in ältester Zeit zur Bekränzung der
Sieger von Olympia verwendet; später trat der Lorbeer an seine Stelle. In der klassischen Zeit wurde
die Olive vor allem mit der Göttin Pallas Athene, einer Tochter des Zeus, assoziiert.
Zahllos sind die Nennungen des Ölbaumes und des Olivenöles in der Bibel, und zwar sowohl im Alten
als auch im Neuen Testament. Auch bei den alten Römern stand die Olive in hohem Ansehen.
Oliven werden heute im ganzen Mittelmeerraum angebaut und stellen in allen Mittelmeerländern
einen wesentlichen Bestandteil der Ernährung dar; und zwar wird einerseits das Olivenöl als
universelles Bratmedium gebraucht, andererseits werden in Salzlake konservierte Oliven
gerne gegessen oder zum Würzen verwendet.
Eingelegte Oliven sind entweder schwarz oder grün, je nach Reifezustand bei der Ernte.
Grüne Oliven werden unreif gepflückt und vor dem Einlegen in Salzlake mit Lauge behandelt;
durch dieses Verfahren, das bereits den alten Römern bekannt war, wird einerseits der
Bitterstoffgehalt reduziert und andererseits die Konsistenz des Fruchtfleisches verbessert.
Schwarze Oliven sind reif geerntet; in Griechenland werden sie ohne Laugenbehandlung
eingesalzten oder einer Milchsäuregärung unterzogen, wodurch ein besonders intensiver
Geschmack erzielt wird. Oft verfeinert man die Lake, in der man die Oliven einlegt,
noch durch Zugabe von Kräutern (Thymian, Oregano) oder Knoblauch.
Eingelegte Oliven sind eine beliebte Dekoration zu kalten Speisen, besonders aber zu
pikanten Saucen. Natürlich schmecken sie besonders gut zu Spezialitäten aus den Mittelmeerländern.
Der Geschmack von Oliven lässt sich verstärken, wenn man sie fein hackt und mit Olivenöl übergießt.
Fügt man zu einer derartigen Paste aus schwarzen französischen Oliven und gutem Olivenöl
noch Knoblauch, Anchovis (fermentierten Fisch) und eventuell Kapern hinzu, entsteht daraus
die südfranzösische Würzpaste tapenade, eine ausgezeichnete Beilage zu knusprigen baguettes.
Zu warmen Speisen werden Oliven fast nur in den Küchen der Mittelmeerländer verwendet.
Mit Zwiebeln, Knoblauch, Kapern und grünen (manchmal auch schwarzen) Oliven gewürzte
Tomatensaucen sind für Italien charakteristisch; ihren letzten Schliff erhalten sie durch frische
Kräuter (Basilikum, Oregano und Weinraute). In solchen Saucen kann man Fleisch garen oder
sie einfach zusammen mit Nudeln (pasta) servieren. Auch die italienische Pizza wird oft,
besonders in Süditalien, mit zumeist schwarzen Oliven belegt.
Wesentlich bedeutsamer als eingelegte Oliven ist allerdings das Olivenöl, für dessen Produktion
90 Prozent aller Oliven angebaut werden. Natives Olivenöl extra (in Italien als extra vergine bekannt)
ist in seinem Geschmack und Aroma außerordentlich variabel, und jeder, der einige Sorten
durchprobiert hat, wird andere Präferenzen entwickeln. Manche Öle sind subtil blumig und
leicht im Geschmack, andere intensiv fruchtig und schwer. Es lohnt sich, verschiedene Öle in der
Küche vorrätig zu haben. Die Sorten aus späterer Pressung sind dagegen weniger aromatisch,
eignen sich dafür besser zum Braten. Will man extra vergine Öl zum Braten verwenden,
so kann man die Temperaturbeständigkeit durch Mischen mit Butter erhöhen,
was auch geschmacklich eine Bereicherung sein kann.
Kaltgepresstes Olivenöl gibt den Speisen Südeuropas, Westasiens und Nordafrikas viel
von ihrem typischen Geschmack. Man verwendet es für Salate, die westasiatische
Kicherbsenpaste hummus, kalte Vorspeisen (in Israel als mezes bekannt), Gewürzpasten wie
das ägyptische dukka und die berühmte provençalische Knoblauchmayonnaise aïoli.
Italienische Nudeln (pasta) werden stets mit etwas Olivenöl gekocht, um ein Verkleben
zu vermeiden; oft schwenkt man sie auch nach dem Kochen in Olivenöl,
um den Geschmack zu verbessern.
Alltägliche Gerichte wie gebratenes Gemüse (Zucchini, Auberginen, Paprika) gewinnen durch
Verwendung von Olivenöl einen typisch mediterranen Charakter, besonders,
wenn man sie mit etwas Joghurt oder Tomatensauce serviert. Statt sie in Olivenöl zu braten,
kann man Gemüse oder Fisch auch vor dem Servieren mit etwas bestem Olivenöl beträufeln.
Der Porree
Lauch ist ein Zwiebelgewächs. Was jeder der ihn schon mal zubereitet hat sicher gemerkt hat.
Lauch wird hier zulande auch Porree genannt.
Er ist Vitamin C und Vitamin K haltig und enthält Folsäure sowie einige Spurenelemente.
Man kennt Porree schon seit ca. 2100 vor Chr. In Ägypten soll er den Arbeitern beim Bau der
Pyramiden als Nahrung gedient haben. Man vermutet, dass der Porree im Mittelalter seinen Weg
nach Europa gefunden hat. Heute wird Lauch hauptsächlich im Mittelmeerraum und Europa angebaut.
Man kann ihn als Gemüse oder auch als Gewürz verwenden. Er ist zum Beispiel immer ein
Bestandteil von Suppengrün. Frischen Lauch gibt es das ganze Jahr.
Sind die Blätter kräftig grün ist er frisch.
Man sollte Porree an einem kühlen, dunklen Ort lagern. Am besten wickelt man ihn in Zeitungspapier,
so hält er die Feuchtigkeit am besten und es bildet sich keine Staunässe.
Die Petersilie
Petersilie, in jedem Supermarkt erhältlich, ist deutlich mehr als nur ein Gewürz.
Die wassertreibende Wirkung dieses vermeintlichen Küchenkrauts war schon früh bekannt,
doch viele einstige Verwendungsarten sind heute in Vergessenheit geraten.
Aphrodisierend und abortiv wirkt dieses Kraut und in vielen Städten findet man noch heute
ein so genanntes „Peterles Gässchen“. Dieser Name stammt aus dem Mittelalter und
bezeichnete jene Gassen, in denen sich die Bordelle befanden. Eine Anspielung auf die
Potenzfördernde und auch abtreibende Wirkung der Petersilie.
Das ätherische Öl dieser Pflanze, welches vornehmlich in ihren Früchten enthalten ist,
fördert die Nierentätigkeit und regt die Verdauungsorgane an.
Zugleich fördert es auch die Menstruation und die Uteruskontraktion, sodass das Öl in größeren
Dosen sogar eine Fehlgeburt auszulösen vermag.
Petersilienfrüchte sollen einst in den Apotheken die beliebtesten volkstümlichen Abtreibungsmittel
gewesen sein. Allerdings waren bei hoher Dosierung schwere Vergiftungen die Folge,
die teils gar mit dem Leben bezahlt worden sind. In keinem Kräuterbuch seit dem Spätmittelalter
ist diese Gefahr noch erwähnt, wird der Genuss von Petersilienfrüchten innerhalb der
Schwangerschaft verboten. Die Verwendung des Krautes allerdings ist unbedenklich!
Es gibt zwei wichtige Unterarten der Petersilie: Die Blattpetersilie mit ihren krausen oder glatten
Blättern und die Wurzelpetersilie. Petersilie gewann im Laufe der Jahrhunderte dann auch
zunehmend Bedeutung im kulinarischen Bereich. Köche würzten vor allem Fetthaltiges
mit diesem Kraut, um diese Speisen verdaulicher zu machen, Blähungen vorzubeugen.
Seit dem 16. Jahrhundert wurde die Pflanze kultiviert, auch ihre Wurzeln
(in diesem Fall die der Wurzelpetersilie) fanden als Sellerie ähnliches Gemüse Verwendung.
Noch heute verwendet man diese als Suppengemüse.
Petersilie ist in Deutschland das beliebteste Küchengewürz.
Die Wildform der Petersilie, die im ersten Jahr Wurzeln und Blätter, im zweiten erst Früchte trägt,
stammt vermutlich aus dem östlichen Mittelmeergebiet und Nordafrika.
Dort wurde die Pflanze schon vor über 5000 Jahren kultiviert und bereits aus der
Jungsteinzeit gibt es archäologische Funde der Früchte nördlich der Alpen.
Der botanische Gattungsname Petroselinium leitet sich vermutlich von petros
(griechisch: Felsen) und selinon (Sellerie), einer allgemeinen Bezeichnung für Doldengewächse ab.
Petersilien enthalten Vitamin A, C, B1, B2 sowie auch Eisen und Calcium.
Das ätherische Öl der Petersilie regt die Nierentätigkeit an und fördert die Harnausscheidung.
Wurzeln und Kraut werden daher als Tee zur Durchspültherapie der Niere bei Erkrankungen
der Harnwege und bei Reizblase verwendet. Auch bei Nierengrieß hilft Petersilie.
Sie ist verdauungsanregend, hilfreich bei Magen-Darm-Beschwerden und bei Verstopfung.
Das Kraut und auch die Wurzeln kommen in der Phytotherapie auch bei Erkrankungen der
ableitenden Harnwege und bei besagtem Nierengrieß zum Einsatz.
In der Volksheilkunde gilt frisch zerquetschte Petersilie als Heilmittel gegen Mückenstiche und Geschwüre.
Das Kauen der Blätter ist ein altes Hausmittel gegen Mundgeruch, äußerlich werden wässrige
und auch ölige Auszüge als Mückenschutz und gegen Krätzmilben und Kopfläuse eingesetzt.
Das im ätherischen Öl enthaltene Apiol steigert in höheren Dosen die Kontraktion der glatten
Muskulatur der Gebärmutter, von Darm und Blase. Aufgrund dessen ist innerhalb der
Schwangerschaft unbedingt auf den Gebrauch von Petersilienfrüchten,
am besten auch auf das Kraut zu verzichten.
(Bei Versuchen starben mit Petersilienkraut gefütterte Meerschweinchen
bereits nach wenigen Stunden.)
Aufgrund dieser Risiken erhielten die Petersilienfrüchte von der Kommission E 1989 eine
Negativ-Monographie. Das Kraut hingegen wurde als positiv bewertet. Apiol schädigt in größeren
Mengen aufgenommen Leber, Niere und Herz. Daher verzehrt man heute grundsätzlich vor allem das Kraut.
Empfindliche Personen sollten ihre Haut vor der Sonne schützen,
da die in der Petersilie enthaltenen Furanocumarine unter Sonneneinstrahlung
juckenden Ausschlag hervorrufen können.
Das Radieschen
Ihre fröhliche Farbe regt den Appetit an und lässt den Speichel fließen:
Radieschen sehen bezaubernd aus mit ihrer leuchtend roten Hülle
und ihrem saftigen, weißen Fleisch.
Deshalb werden sie auch gerne für die Dekoration von Rohkostplatten und Salaten verwendet – manche
Köche sind sogar Meister darin, ein Radieschen binnen Minuten mit dem Messer
in eine Rosenblüte zu verwandeln.
Doch Radieschen sollten vor allem gegessen werden. Sie sind erfrischend, bekämpfen Bakterien
und Pilze und enthalten krebs vorbeugende Glucosinolate. Ob pur, aufs Brot oder im Salat.
Radieschen
sind kurzlebige Geschöpfe. Einmal geerntet wollen sie rasch verzehrt werden, da sie sonst
austrocknen und ihre Wurzelknollen erheblich an Aroma verlieren.
Deshalb sollten sie beim Einkauf taufrisch sein und nicht länger als zwei Tage im
Gemüsefach des Kühlschranks aufbewahrt werden.
Am bekanntesten unter den Radieschensorten ist die Variante mit den roten,
runden Köpfen – doch das Radieschen zeigt sich mitunter auch in edlerem Gewande.
Auf den Märkten werden inzwischen neben der roten Sorte zylindrische und rübenähnliche
Radieschen angeboten, deren Farbe von weißrot über rosa bis hin zu einem kräftigen Violett changiert.
Ihr Geschmack jedoch ist ähnlich und verbindet die eigentlich gegensätzlichen
Komponenten mild und scharf zu einem appetitanregenden, unvergleichlichen Gesamtaroma.
Wer nicht mehr vom Radieschen lassen kann – und der tägliche Genuss wird von
Ernährungswissenschaftlern gerade für Sportler und stressgeplagte Menschen empfohlen – sollte
darüber nachdenken, das Wurzelgemüse im eigenen Garten anzubauen.
Radieschen können ab März direkt ins Freiland gesät werden und zeigen bereits ab April erste Erträge.
Dann sollte aber auch flugs geerntet werden, damit der Geschmack nicht stumpf und holzig wird.
Radieschen werden grundsätzlich roh verzehrt, können aber interessant kombiniert werden.
Ein Klassiker unter den Radieschen-Gerichten ist die frische Scheibe Bauernbrot mit gesalzener
Butter und einem Belag aus dünnen Radieschenscheiben – ein wunderbarer Snack fürs Büro
oder die Hofpause, denn Kinder sind den roten Knöllchen meistens nicht abgeneigt.
Der Rosenkohl
Rosenkohl zählt zu den feinsten Wintergemüse, die wir kennen, und deshalb wird er auch
gerne zu einem festlichen Braten gereicht. Überhaupt tanzt er ein wenig aus der
Reihe seiner Artgenossen, nicht nur wegen seines charakteristischen Eigengeschmacks,
sondern auch wegen seiner außergewöhnlichen "Größe".
Die hell- bis dunkelgrünen "Röschen" - das sind die Triebknospen am Stängel,
die kleinen Kohlköpfen ähneln - werden nämlich nur etwa walnussgroß.
Der kleine Kohl ist zwar etwas kalorienträchtiger als seine Vettern, dafür aber ein sehr wertvoller
Vitamin- und Mineralstoffspender. So ist er besonders reich an Vitamin A, B1, B2 und C
und enthält doppelt so viel Kalium und Eisen wie beispielsweise der Weißkohl.
Ähnlich wie Grünkohl entwickelt Rosenkohl erst nach der ersten kurzfristigen Frosteinwirkung
seine besonderen Vorzüge. Er ist dann zarter, aromatischer und leichter verdaulich.
Das gilt allerdings nicht für die frühen Sorten.
Rosenkohl wird üblicherweise in Salzwasser (besser noch in Fleischbrühe oder Hühnerbrühe) gedünstet.
Dabei sollte man möglichst wenig Flüssigkeit verwenden und ihn nur kurz garen
(rund 15 Minuten reichen), damit die wertvollen Inhaltsstoffe erhalten bleiben.
Die Garzeit lässt sich weiter reduzieren, wenn man die Strünke kreuzweise leicht einschneidet.
In jedem Fall sollten die Röschen noch Biss haben, wenn sie auf den Teller kommen.
Richtig "aufmotzen" können Sie den "Kleinen" übrigens, wenn Sie ihn zusammen mit
karamellisierten Maronen servieren - ein besonderer Gaumenschmaus in der Weihnachtszeit.
Der Verkauf von Rosenkohl erfolgt lose oder in Netzen.
Achten Sie beim Einkauf darauf, dass die Knospen geschlossen sind und keine gelben
oder gar welken Außenblätter haben, und bedenken Sie,
dass Sie mit rund 20 Prozent Abfall rechnen müssen.
Der Rotkohl
Bei Kindern ist es vor allem als Zungenbrecher beliebt:
Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid.
Na? Knoten in der Zunge?
Der lässt sich am besten mit einem aromatischen Rotkraut-Gericht lösen.
Das farbenfrohe Gemüse ist dank seines hohen Vitamingehalts und seines charakteristisch
süß-würzigen Geschmacks vor allem in der Herbst- und Winterzeit ein souveräner
Begleiter für deftige Fleischrezepte und bunte Salatteller.
Zugegeben, seine Flecken sind der Graus einer jeden Hausfrau:
Sie fressen sich in einem bombastischen Lila tief ins Leinen des gestärkten Tischtuchs
und widersetzen sich nicht selten auch ausgefeiltesten Reinigungsmethoden.
Aber ach, er ist so köstlich, der Rotkohl (Brassica oleracea var. capitata f. rubra).
Das Blaukraut oder Rotkraut. Namen hat das Gemüse viele, gemeint ist aber dasselbe:
ein bläulicher Kohlkopf, der voller Vitamine und Mineralien steckt und selbst
Gourmets zu Höchstleistungen antreibt.
Die Tage, in denen das Rotkraut als derbes Gasthausgemüse galt, sind gezählt.
Feinschmecker haben die Vorteile des flexiblen Kohlkopfes längst erkannt
und wissen ihn um etliche neue Geschmacksnuancen zu bereichern.
Für stressgeplagte Menschen, die auf das leckere Rotkraut nicht verzichten wollen,
aber weder über die Zeit noch über das Talent verfügen, es selbst zuzubereiten, gibt es Alternativen:
Fertig gekochtes und gewürztes Rotkraut wird inzwischen in guter bis Gourmet-Qualität
und verlockend preiswert in Dosen, gekühlten Frischepackungen und gefroren angeboten.
In der Mikrowelle oder auf dem Herd lässt es sich innerhalb weniger Minuten erhitzen
und macht sich hervorragend zu kross gebratenen Bratwürsten,
einer Entenkeule oder einem saftigen Schweinebraten.
Eine klassische Blaukohl-Variante ist das Apfelrotkraut:
Hierfür wird die säuerliche Grundnote durch geriebene Äpfel angenehm verstärkt und zudem leicht gesüßt.
Auch Speckwürfelchen oder fein gedünstete Zwiebeln schmeicheln dem purpurnen Kohlgemüse.
Auch Wacholderbeeren, Johannisbeergelee und Preiselbeeren stehen dem Rotkohl gut zu Geschmack.
Um die Süße etwas auszugleichen, können die fruchtigen Beigaben
mit einem Schuss Essig abgemildert werden.
Eine interessante Schärfe bekommt der Rotkohl, wenn man ihn gegen Ende der Garzeit
mit frisch geriebenem Ingwer vermischt. Ingwer, Kümmel und Zimt sorgen übrigens nicht nur
für eine exotische Note, sondern unterstützen auch die Verdauung bei ihrer bekanntlich
nicht immer so leichten Arbeit mit dem deutschen Kohlgemüse.
Der Radicchio
Radicchio ist ein Verwandter des Chicorée und eine italienische Spezialität.
Radicchio ist eine zweijährige Pflanze, die jedoch meist einjährig kultiviert wird.
Der typische Radicchio, eine niedrig wachsende Pflanze hat rötlichgrüne, länglich bis runde Außenblätter
und ein kompaktes Herz. Radicchio ist knackig fest, mit einem leicht bitteren,
kräftigen, nussartigen Geschmack.
Er enthält Vitamin A, Mineralstoffe sowie appetitanregende Bitterstoffe.
Er wird roh als Salat oder gekocht gegessen.
Radicchio (Cichorium intybus var. Foliosum), eine Form der Zichorie, auch als Roter Chicorée,
Rote Endivie oder Zichoriensalat bezeichnet, gehört zu den Korbblütlern (Asteraceae)
und ist verwandt mit Chicorée, Endivie und Zuckerhut.
Nördlich der Alpen wird Radicchio erst seit 1985 in größerem Umfang angebaut,
als Neuzüchtungen in den nordeuropäischen Ländern Einzug hielten.
Bis dahin war Radicchio hauptsächlich von Italien importiert worden.
Noch heute finden sich die bedeutendsten Anbaugebiete in Italien, vor allem um den
Lagunenort Chioggia an der Adria. Anbaugebiete nennenswerter Größe findet man
aber auch in Frankreich und Spanien.
Da die verschiedenen Sortengruppen früher in bestimmten Gegenden Italiens angebaut wurde,
tragen die Sorten überwiegend die Namen italienischer Städte oder Regionen.
Am häufigsten angebaut wird die Sorte „Radicchio Rosso di Chioggia“, die an die Klimaverhältnisse
der nord- und mitteleuopäischen Länder angepasst ist. Diese Sorte hat feste durchgefärbte Köpfe
aus runden, dunkel weinroten Blättern mit weißen Rippen und einem grünlich-roten Umblatt.
Bekannt ist diese Sorte vielfach als „Rose von Chioggia“
und kann das ganze Jahr über angebaut und geerntet werden.
Auf dem Markt befinden sich noch zahlreiche italienische Sorten,
die jedoch nicht in Ländern nördlich der Alpen gedeihen. „Radicchio Rosso di Verona“
hat lockere bis feste, durchgefärbte Köpfe von zylindrischer, hochovaler Form aus mittel
weinroten Blättern mit weißen Rippen. „Radicchio Variegato di Chioggia“ hat sehr feste
runde Köpfe aus weinroten, beige-weiß gesprenkelten Blättern, „Radicchio Variegato di Lusia“
bildet kugelige sehr feste Köpfe aus beige-weißen, weinrot gesprenkelten Blättern,
„Radicchio Variegato di Castelfranco“ hat leichte, lockere kugelige Köpfe aus beige-weißen,
weinrot gesprenkelten Blättern, „* Radicchio Rosso di Treviso Precoce“ hat feste,
durchgefärbte langovale Köpfe aus dunkel weinroten länglichen Blättern mit breiten weißen Rippen,
„Radicchio Rosso di Treviso Tardivo“ bildet lockere Blattrosetten aus langen,
schmalen dunkel weinroten Blättern mit breiten weißen Rippen, „Radicchio Bianca di Lusia“
bildet sehr feste runde Köpfe aus hellgrünen Blättern, „Radicchio Grumolo“ gibt es als rote
oder grüne Variante; die Sorte hat dem Feldsalat ähnelnde, aber etwas größere Rosetten
aus runden, stiellosen mittelgrünen oder dunkel weinroten Blättern mit feinen weißen Rippen.
Bei den Sorten aus Treviso handelt es sich um eine recht bitter schmeckende,
noch relativ neue Kreuzung aus rotem Radicchio und Chicorée.
Außerdem sind noch „Der Gelbe von Triest“ mit zarten, rundovalen, gelbgrünen Blättern
und die sehr seltene Sorte „Cicorino verde“ (Grüner Radicchio) anzutreffen.
Sehr beliebt bei uns ist der Radicchio „Palla rossa“ mit festen,
faustgroßen Köpfen aus dunkelroten Blättern mit weißen Rippen.
Da der Mitteleuropäer einen milden Geschmack vorzieht, ist die ausgeprägte Bitterkeit des
klassischen Radicchio bei den heutigen Sorten überwiegend weggezüchtet.
Radicchio enthält die Vitamine B1, B2 und C sowie sehr viel Kalium, Calcium und Phosphor.
Bitterstoffe sind in den roten Sorten in größerer Menge enthalten als in den grünlichen Sorten.
Bitterstoffe regen die Produktion von Gallenflüssigkeit an und können damit am
Cholesterinabbau mitwirken. Außerdem sind die Bitterstoffe für den Stoffwechsel anregend.
Wenn man den bitteren Geschmack des Radicchio abmildern möchte, kann man die
Blätter – unzerkleinert – in lauwarmes Wasser einlegen. Haben die Blätter breite Blattrippen,
kann man diese wegschneiden, da dort die meisten Bitterstoffe lokalisiert sind.
Zur Milderung des bitteren Geschmacks kann man auch noch die Umblätter entfernen
und den Stielansatz im Inneren herausschneiden. Man sollte jedoch bedenken, dass die Bitterstoffe
stoffwechselanregend und somit sehr gesund sind, besonders auch bei zu hohen Cholesterinwerten,
da die Bitterstoffe auch für den Cholesterinabbau gut sind
Grundsätzlich sollte man die Blätter des Radicchio bei der Verarbeitung lieber zerreißen als klein schneiden,
da so weniger Zellen zerstört werden und die Oxidation verhindert.
Diese führt schnell zu einer unschönen Verfärbung.
Der Chioggia-Radicchio eignet sich am besten als Salat und die schönen Blätter kann man
auch als Dekoration gut einsetzen. Zum Kochen ist er weniger geeignet.
Auch der Radicchio di Castelfranco ist am besten als Salat geeignet.
Andere Sorten werden in Italien gern geschmort oder gegrillt als Gemüse verzehrt
oder zum Risotto zubereitet.
Bei uns ist die Verwendung in gemischten Salaten am geläufigsten.
Bei der Zubereitung als Gemüse sollte man beachten, dass Radicchio nicht gekocht,
sondern nur leicht, am besten in Olivenöl, gedünstet werden sollte, da er beim Kochen seine
dekorative Farbe verliert. Die dicke Wurzel kann mitgegessen werden,
wenn sie geschält und klein geschnitten wird.
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